„Der Weg zu meinem Debüt“

Ich bin Schriftsteller. Ein Schriftsteller auf dem Weg zu seiner ersten Veröffentlichung. Es dürfte bekannt sein, dass es nicht ganz leicht ist, an seinem Debüt zu schreiben. Überhaupt ist Bücher schreiben gar nicht so unbeschwerlich, wie ich mir das anfangs vorgestellt habe. Aber mal langsam – immerhin beklage ich mich hier über meinen Traumberuf.

Der Wunsch, selbst Bücher zu schreiben, kam beim Lesen von Büchern auf. Dabei hatte ich nie den Gedanken »Das kann ich aber besser«. Sondern die Begeisterung, die ein Buch auslösen kann, wollte ich selbst erzeugen.

Das ist leichter gesagt, als getan. Als ich noch ein Kind war, habe ich alle Geschichten in mir aufgesogen. Unzählige Stunden stöberte in den Bücherregalen der örtlichen Klosterbibliothek, um etwas neues, aufregendes und spannendes zu finden. Meine Jugend dagegen ist gezeichnet von der verfehlten Suche nach einer Inspirationsquelle für eigene Texte. Verfehlt, weil der Wunsch, etwas Eigenes zu schaffen, nach wie vor da war, aber nie den Weg an die Oberfläche gefunden hat. Probleme in der Schule, Ablenkungen der Jugend und der Drang in fremde Welten einzutauchen, anstatt eigene zu erschaffen, haben mich jedes Mal aufs Neue davon abgehalten einen Text zu Ende zu schreiben. Literarisches Genie? Weit gefehlt. Talent, vielleicht. Aber nur, wenn ich es zugelassen hätte.

Die Suche nach einem Maßstab

Seinen eigenen Willen stetig zu verfolgen kommt manchen, vielleicht sogar vielen Menschen, ganz natürlich zu. Ich hatte schon Schwierigkeiten überhaupt zu erkennen, was mein Wille ist. Als Jugendliche haben wir tausend Einflüsse um uns herum. Dinge, die wir tun wollen und Dinge, die wir tun müssen, Menschen denen wir gefallen wollen, Menschen, denen wir fernbleiben möchten, Menschen mit denen wir zu Rande kommen müssen. Überall liegen Entscheidungen, welchen Weg man geht, überall Entscheidungen, welche Handlung man vollzieht und überall das innere Verlangen nach einem Maßstab. Etwas, das vorgibt, was man tun soll. Etwas, das bei all den Weggabelungen und Entscheidungen hilft und beisteht. All diesen Dingen liegt eine zentrale und prägende Frage zu Grunde: Welchen Weg wähle ich, damit ich die Version von mir werde, die mir selbst am besten gefällt?

Mit dem Stellen dieser Frage ließ ich meine verwirrende und zwiespältige Jugend hinter mir. Ich war 22 Jahre alt und begann mein Studium der Philosophie in München. Schon während des Studiums fing ich an – neben philosophischen Hausarbeiten und wissenschaftlichen Erkenntnissen – Ideen für Bücher und Kurzgeschichten zu formulieren, Texte zu schreiben und, vor allem, Geschichten zu fertigen. Genre? Fantasy. Kein großer Wurf, aber der Wille war da. Inspiration? Zahllose Bücher, Kultur, Musik, Philosophie, Reisen in andere Städte und Zeit mit der Frau, die ich später heiraten sollte. Die Begeisterung für Geschichte fand in meinem Masterstudium endlich ihren Weg an die Oberfläche und lieferte mir den Stoff und die Ideen für meinen ersten Roman.

Es ist erstaunlich, wenn man nach jahrelanger Suche eine Tätigkeit gefunden hat, bei der man ernsthaft und ehrlich zu sich selbst sagen kann: Auf dem Weg zu meinem Debüt bin ich da angekommen, wo ich mich zu Hause fühle.

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